Wie ich meine besten Artikel schreib …

Es ist erstaunlich aber wahr, die Blogartikel, die mir am allerbesten gefallen, schreib’ oft ich mitten in der Nacht, wenn ganz Katzelsdorf im Tiefschlaf ist und ich das in Wahrheit urgern auch wär. Das geht dann mit unruhigem im Bett Herumgewälze los, und kaum fängt der Körper an sich zu bewegen, läuft das Hirn schon auf Hochtouren. Ich denk’ mir noch so „Na geh bitte, net schon wieder“, aber munter ist munter. So weit, so mühsam.

Mein Hirn legt sich dann gleich so richtig ins Zeug und liefert Ideen ohne Ende, packt die sogleich in rhetorisch einwandfreie Sätze, gewürzt mit einer guten Portion Selbstironie und freut sich wie ein kleines Kind über die eigene Kreativität. Zwischendurch denk’ ich mir dann „Boah, das is echt leiwaund, gute Idee, lässige Formulierung, das schreib’ ich morgen gleich in der Früh auf!“ Aber viel öfter hab’ ich zwischendurch eher Gedanken wie „Kannst jetzt bitte einfach wieder die Klappe halten, ich will schlaaafen!!“

Na genau, nix mehr mit nächtlicher Stille, Gedankenfeuerwerk im Kopf. Wenn ich mich dann am nächsten Tag vor meinen Laptop setz und losschreiben will, kommt mal genau nix, absolut gar nix, vollkommene Stille und Leere im Kopf. Ich zermarter’ mir das Hirn aber Null, Leere, endlose Weiten, genau diese, also die Weiten mein ich, mit denen vor zig Jahren schon die Enterprise konfrontiert war. Ich hab’ ja den Mister Spock am allerliebsten gemocht, ich mein diese Ohren, die Augenbrauen und dazu das lapidare „faszinierend“ waren schon so richtig super. Aber, ich schweif’ schon wieder ab. Also zurück zu meinen verzweifelten Versuchen meine nächtlichen Rhetorikergüsse zu Papier zu bringen beziehungsweise in meinen Laptop zu tippen.

Es geht nichts, wurscht wie sehr ich mich auch abplag, Schriftsteller nennen das dann wohl Schreibblockade?! Der Liebste und die Tochter haben mir dann mal vorgeschlagen, meine Ideen, wenn ich ja eh schon munter bin, sofort aufzuschreiben, stichwortartig zumindest. Woraufhin ich erwidert hab’, dass ich ja den schlafenden Mann neben mir nicht aufwecken will, indem ich das Licht aufdreh’, verschlafen nach der Brille taste, dabei vermutlich irgendwas runterschmeiß und dann in meinem Notizbuch herumblättere.

„Mamaaa,” hat mein Kind mit schon fast bedenklich verdrehten Augen gestöhnt, „tipps halt einfach ins Handy ein!“ Ach so, ja logisch, super Plan. Das hab’ ich dann tatsächlich gemacht. Das Blöde ist halt, am nächsten Tag musste ich feststellen, dass ich, verschlafen und müde wie ich war, mit meinen Würschtlfingern Dinge eingetippt hab’, die ich in der Früh nimmer entziffern konnte. Da war nur eine Vielzahl an willkürlich aneinandergereihten Buchstaben, die keinerlei Sinn ergeben haben.

Andererseits hatte ich hübsche neue Wortkreationen, über die ließe sich vielleicht auch irgendeine nette Geschichte schreiben. Na egal, darüber kann ich mir an einem anderen Tag den Kopf zerbrechen.

Jetzt im Moment ist es 3:48 Uhr. Ich bin gegen 2:30 Uhr aufgewacht, weil mir mein Kopf so wehgetan hat, ich schmerzhaft verdreht im Bett gelegen bin, dass es mich schon ein gewisses Maß an Anstrengung gekostet hat irgendwie in eine Position zu kommen, in der ich halbwegs schmerzfrei liegen konnte. Ein tastender Griff zur Wasserflasche und einem Kopfwehpulver wurde begleitet von dem innigen Wunsch, ganz schnell wieder einschlafen zu können und vor allem der Hoffnung, das die Tabletten ihre schmerzstillende Wirkung so rasch wie möglich entfalten würden.

Ich hätts natürlich besser wissen müssen, das geht dann nimmer so gut mit dem Einschlafen. Erschwerend dazugekommen ist mein Nachbar. Wir haben einen Gegenübernachbarn, der zwar eigentlich ein armer Mann ist, mich aber dennoch total nervt. Arm weil er keinen einzigen Menschen hat, also weder Familie noch Freunde, und andererseits weil er definitiv komplett gaga im Kopf ist.

Also der Nachbar ist aufgrund eines schwierigen Lebens zu einem überaus anstrengenden Zeitgenossen geworden, der, allerdings mit fortschreitendem Alter eh immer weniger, aber dennoch gelegentlich herumwirbelt. Er hat ja keinen zum Reden, also führt er Selbstgespräche. Laut und undeutlich. Er hat nämlich auch eine sehr eigene Sprache. Das zu beschreiben ist de facto unmöglich, er brabbelt halt so unverständlich vor sich hin und sagt immer wieder dasselbe, wie so eine alte Kassette, die hängengeblieben ist.

Ja und zusätzlich zu seinem mühsamen Geplapper, quietscht er mit seinem Gartentor herum, auf und zu, immer und immer wieder. Und warum hör’ ich diese Dinge eigentlich so genau? Weil mein Dachschrägenfenster in seine Richtung geht und das einen Großteil des Jahres, einen spaltbreit geöffnet ist. Selbst wenn ich es zumach' hör’ ich ihn noch. Dann kommt der Schall seiner Worte nämlich durchs andere Fenster, das, das echt das ganze Jahr geöffnet ist. Ich bin ein Frischluftfanatiker, deshalb wird das Fenster frühestens dann mal für eine Nacht geschlossen, wenn’s im Zimmer nur mehr 14 Grad hat.

Und aufgrund meiner Kopfschmerzen, dem unverständlichen, aber dennoch zu lauten Gebrabbel meines Nachbarn, bin ich halt heute tatsächlich ins Arbeitszimmer getapst und hab’ mich vor den Computer gesetzt. Die Bildschirmhelligkeit hätt’ ich gern ein bissl reduziert, damit ich nicht ganz putzmunter werd’, aber dann hätt’ ich die Buchstaben nicht gesehen, weil blind schreiben mit 10 Fingersystem kann ich halt genau gar nicht.

So, und jetzt geh’ ich noch ein bissl ins Bett, ich muss eh beizeiten wieder raus aus den Federn. Wobei, bis ich wieder eingeschlafen bin, falls mir das überhaupt gelingen sollte, da könnt’ ich eigentlich gleich aufbleiben und schon mal mit was Sinnvollem beginnen, gell.

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Verrückte Welt