Hommage ans Limoncellotiramisu

Ich hab’ genau zwei Laster, das eine ist das Fluchen eines Bierkutschers und das zweite ist meine intensive Vorliebe für Süßes. Gut bei ersterem muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dafür kann ich nix. Das ist bei uns familiär bedingt, der Opa war schon so ein Flucher. Ich glaub’ bei meiner Tante schlägts nicht durch, aber bei meiner Mutter, meiner Cousine und mir selbst kommts gelegentlich schon zum Vorschein.

Ja und für genetische Disposition kann man ja bekanntlicher Weise genau gar nix. Gut, wir haben uns auch nicht recht intensiv darum bemüht dieses Laster loszuwerden. Ich find’, dass es ja auch richtig guttut seinen Grant mal so rauszuschreien, am allerliebsten mach ich's beim Autofahren. Ich hab’ ein paar absolute Favoriten unter den Schimpfwörtern, eines davon ist Wappler, was ja eigentlich sehr harmlos ist, fast schon eine liebevolle Bezeichnung für eine bestimmte Sorte von Mitmensch.

Wappler ist so wunderschön österreichisch und ich liebe die österreichische Sprache, ich mag es, wie wir an so viele Worte ein -erl anhängen. So wie, „Logo nehm ich noch ein Stückerl Kuchen“, „ein bisserl tu ich noch fernschauen“, „tut mir leid, ich werd mich wohl ein Haucherl verspäten“, oder wie der Liebste immer sagt, „heut kochen wir uns Schnitzerl“, völlig die Tatsache außer Acht lassend, dass unsere Schnitzerl den gesamten Teller ausfüllen.

Ja und dann ist da noch mein zweites Laster, das für diverse Desserts. Wurscht wie voll ich schon bin, was Süßes geht fast immer. Mit besonderer Vorliebe was Cremiges, wenn’s Kuchen ist dann muss der saftig sein, am liebsten Cheesecake in allen nur erdenklichen Variationen und natürlich Streuselkuchen. Schokokuchen sowieso, total gern in Kombination mit Orange und selbstverständlich niemals ohne Schokoglasur. Allein beim Gedanken an all diese himmlischen Köstlichkeiten läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Ich back’ auch eigentlich sehr gern, noch viel lieber ess’ ich allerdings all die unwiderstehlichen Versuchungen dann mit Genuss und voll Freude.

Ich kann mich über ein zart schmelzendes Dessert tatsächlich so sehr freuen, wie ein Kind über den allerschönsten Christbaum samt Geschenken. Wenn da so ein Schüsserl cremiges, fluffig-moussiges Schokoladenmousse vor mir steht, mit Himbeerspiegel selbstverständlich, dann schau’ ich das erst mal ganz verzückt an, danach der Griff zum Besteck und beim Versenken des Löffels im Mousse merkt man schon, ob es die perfekte Konsistenz hat. Und dann ist die Freude eigentlich grenzenlos, wenn man den Löffel zum Mund führt, die Lippen ganz vorsichtig ein kleines Stückerl vom süßen Traum berühren, und die Zunge dann die cremige Masse im Mund verteilt. Hach, Geschmacksexplosion - herrlich!

Aber, ob man’s glaubt oder nicht, es gibt tatsächlich auch Schokomousse, das nicht gut schmeckt. Bevor ich jetzt zum göttlichen Limoncellotiramisu komm, fällt mir grad die Gschicht vom Tobleronemousse ein. Eine Freundin von mir macht immer ebendieses, seit ich es einmal probiert hab’, mach’ ich es übrigens auch immer, es ist der wahr gewordene Schokoladentraum, obwohl ich die Toblerone einfach so, gar nicht mag. Aber wurscht.

Sie hat das Rezept wiederum von einer Freundin, über die gesagt wird, sie sei nicht unbedingt eine begnadete Köchin. Alles egal, wenn das Mousse so wunderbar ist. Wie ich das Rezept das erste Mal gelesen hab’, war ich dann doch etwas verwundert, da steht nämlich „Toblerone in Stücke brechen, in eine flache Schüssel legen und mit kochendem Wasser übergießen ….“ Aha, spannend. Aber gut, wenn das so sein muss, damit das Tobleronemousse auf jeden Fall gelingt, dann mach’ ich das natürlich ganz genau so.

Dann wartet man so etwa eineinhalb Minuten und durch Stichprobe mit einem Zahnstocher in so eine Schokorippe, erkennt man dann, wann diese weich genug ist und das Wasser wieder abgegossen werden kann. Tja, es funktioniert, tadellos. Mittlerweile liest man ja auch oft von den jungen Kochinfluencerinnen, dass man einfach eine Milka Tafel samt Plastikverpackung mit heißem Wasser übergießen soll und dann die flüssige Schoki zur Weiterverarbeitung einfach herausdrückt. Ich hab’ dennoch ein bisserl über diese interessante Zubereitungsart nachgedacht und dann vermutet, wie sie zustande gekommen ist. Wenn die Freundin meiner Freundin nicht die begnadete Köchin ist, dann wird sie ganz einfach angenommen haben, dass Schmelzen im Wasserbad eben genau das ist, Schoki mit heißem Wasser übergießen …

Aber jetzt, endlich zum göttlichen Limoncellotiramisu. Das ist in der Tat so fantastisch, dass man eigentlich „Gnä Frau“ dazu sagen sollt. Mein Erstversuch war schon außerordentlich gut. Aber jetzt, die leicht abgewandelte Zweitversion ist in der Tat zum Niederknien. Ich hab’ nämlich auf Insta einen Italiener gesehen, der ein kurzes Reel über ein Limoncellotiramisu gemacht hat und mit seinen Worten, „du bist im Kopf direkt an der Amalfiküste”, hat er mich natürlich sofort gehabt. Ich hab dann, wie es die Regeln auf Insta halt verlangen „Limoncello“ in die Kommentare getippt, sogar noch ein Herzerl dazu, weil ich so begeistert war. Leider hat sich mein Italiener nicht an sein gegebenes Versprechen gehalten und mir pronto das Rezept geschickt, auch nach mehrmaligen, schon etwas verzweifelten Versuchen.

Aber dieses Tiramisu hat es mir optisch schon so angetan, dass musste ich einfach nachmachen! Mit den kurzen Sequenzen von seinem Reel hab’ ich also versucht es auch so hinzubringen. Und, weil ich es halt gar so gern mach, hab’ ich sein Rezept sogar noch gepimpt. Ich hab’ es nämlich noch um selbstgemachten Lemoncurd erweitert, oh mein Gott!

Ich mag im Tiramisu nur die Manner Biskotten, die dicken italienischen schmecken mir gar nicht. Die sind wie ein grobporiger Biskuit, der ein bisserl in die Hose gegangen ist. Ich hab’ also Wasser mit Zucker und Zitronenschale aufgekocht und dann Limoncello dazugegeben. Darin sind die Biskotten gebadet worden, natürlich nur kurz, eh klar.

Und die Creme hat der italienische Koch ganz speziell gemacht, der hat nämlich die Dotter mit Zucker aufgeschlagen und das Eiweiß auch extra mit Zucker dickflüssig gerührt, er hat keinen festen Eischnee geschlagen. Und das hat dann die Mascarponecreme so herrlich cremig gemacht, und da kam natürlich auch wieder Limoncello dazu. Aber alles mit Maß und Ziel, zu viel Alkohol mag ich nämlich im Dessert gar nicht.

Ich hab’ das dann andächtig geschichtet, Biskotten, Creme, frische Zitronenzesten, geriebene weiße Schokolade und cremigen Lemoncurd und dann noch einmal dasselbe. On top Minzblätter und ich war am Überlegen, dass weiß-gelbe kleine Baisers der absolute Pracker wären, aber ehrlicherweise war ich zu faul um die dann noch zu machen. Auch ohne Baiser schauts sensationell gut aus, schmeckt himmlisch und ist vor allem das zeitaufwendigste Tiramisu, dass ich je gemacht hab’.

Allerdings, ist es jede Arbeitsminute mehr als wert. Der zitronige Duft, das ist Sommer pur, der wunderschöne Anblick von zarter Mascarponecreme, dem dottergelben Lemoncurd und den knallgrünen Minzblättern als Kontrast, ein absoluter Augenschmaus. Und dann, der lang ersehnte erste Bissen davon, oh mein Gott, Gaumenorgasmus, die Kombination von sündig guter Creme mit der süßen Säure der Zitrone und dem Hauch von zart schmelzender Schokolade, das ist einfach paradiesisch. Dieses Tiramisu ist der absolute Inbegriff von Sommer, Sonne, Urlaub und Lebensfreude pur. Und ebendarum werd’ ich das ab jetzt sicher öfter machen, gell.

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Oh Sommer

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Manche Ideen geben einfach keine Ruh