Oh Sommer

Ich bin noch nicht bereit, absolut ganz und gar nicht! Ich will und kann einfach nicht akzeptieren, dass dieser wunderschöne Sommer tatsächlich schon wieder vorbei sein soll. Und dennoch, ich kann mich weigern so standhaft und so viel ich auch will, es ist amtlich. Und am deutlichsten erkenn’ ich das an dem Fakt, den ich am allermeisten verabscheue. Und nein, es ist tatsächlich nicht der Schulbeginn, obwohl das Aufstehen um 5.40 Uhr genau gar nicht nach meinem Geschmack ist, das ist definitiv nix, womit ich mich jemals anfreunden werd’.

Ich geb’ euch jetzt mal ganz kurz Zeit, um in euch zu gehen und nachzudenken, welcher Fakt das in eurem Fall ist, was ist für euch das Schlimmste am Sommerende. Und, was gefunden?

Also für mich ist es die Dunkelheit! Ich lieb nix mehr als die langen hellen Sommertage, wenn mich die Sonne bereits um 5.00 Uhr früh in der Nase kitzelt und die Vogerl schon ganz laut und lebensfroh zwitschern, ich mein, gibt's was Schöneres, ernsthaft?

Und die Abende erst, wenn man um 21.15 Uhr die Beine im Pool baumelnd, eisgekühltem Hugo in der einen, Limoncellotiramisu in der anderen Hand, ganz verzückt einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten, und danach noch lange draußen sitzen kann. In irgendeinem dünnen Sommerfetzerl, die noch feuchten Haare kreuz und quer hochgesteckt. Ganz ohne Pulli oder Jacke, gelegentlich mit netten, gut gelaunten Menschen zusammen interessante, spannende Gespräche führen, mah, das ist doch echt das allerschönste Lebensgefühl. Und die Zirpen, ich weiß eh, dass es Grillen sind, aber ich nenn’ sie Zirpen, weil mir das ganz einfach viel besser gefällt! Also die Zirpen sind ja mittlerweile so laut, dass sie sogar das Plätschern vom Pool übertönen, herrlich, ich lieb das!

Genau genommen ist das Leben im Sommer gefühlt viel leichter und schöner! So viel entspannter find’ ich. Wir verbringen die meiste Zeit im Freien und sind so viel spontaner wenns warm und hell ist. Ich mein’, in der düsteren Herbst- und Winterfinsternis muss ich mich schon echt zusammenreißen, wenn ich nach 17.00 Uhr noch irgendwas unternehmen will. Vom warmen, hellen Haus noch einmal raus in die finstere Kälte, und wenn’s dann vielleicht auch noch regnet, na danke.

Aber im Sommer, hallo, da fängt das Leben doch erst am frühen Abend an. Wenn man nach dem See oder dem Bad noch in ein Lokal geht, zum Heurigen oder sonst wohin. Oder wenn man sich noch ein cremiges, herrlich süßes Eis vom Lieblingseissalon holt. Dieses Gefühl von „der Tag ist noch lang nicht vorbei und ich hab’so viel Zeit“ ist total befreiend.

Und der Duft des Sommers, der ist ja auch so ganz speziell und wunderbar. Der Duft der Wiese nach einem Sommerregen, ich weiß schon, hatten wir heuer leider viel zu selten. Die duftige Luft, wenn man abends mit dem Rad an den Feldern und am Wald vorbeifährt, einfach herrlich. Geht mit dem Cabrio übrigens ganz genauso gut…

Was ich auch so extrem gern hab’, ist der Duft vom heißen Holzsteg, wenn ich mich nass vom Pool zum Trocknen in die Sonne leg, das ist einer meiner ganz speziellen Lieblingssommergerüche. Oder der typische Grillgeruch, bei dem dir schon das Wasser im Mund zusammenläuft, wenn du nur an all die Köstlichkeiten denkst, die es bald geben wird. Frische Sommerfrüchte, Sommerblumen, die Sonnencreme auf unserer Haut und im Urlaub natürlich der salzige Meeresduft. Ich glaub’, ich könnt’ noch so einige aufzählen …

Ich denke, ich bin mit meiner Sommerliebe nicht allein. Obwohl, der heurige Sommer nicht ausschließlich super war. Es war echt verdammt heiß, zu heiß, und auch mit dieser Meinung bin ich nicht allein. Unsere Wiese, Rasen ist es ja bei Gott keiner, wurde das letzte Mal Anfang Juli gemäht. Danach war es knusprig braunes Gras, das bei jedem Schritt unter den Füßen geklungen hat, als würde man auf Cornflakes treten. Zwei meiner Bäume waren Mitte August nackt bzw. um jede Menge Blätter erleichtert. Die sind im August braun und verdorrt herumgelegen, wie wir das bisher nur aus dem Herbst kennen. Das war nicht schön, ganz und gar nicht.

Aber vielleicht trauern wir an den ersten kühleren Abenden, an denen es schon früher finster wird ja gar nicht wirklich dem Sommer nach. Vielleicht trauern wir den Gefühlen, die er uns schenkt hinterher.

Dem Gefühl von Freiheit, Leichtigkeit und Unbeschwertheit, der Lebensfreude. Und auch dem Empfinden, dass wir selbst in all dieser sommerlichen Entspanntheit irgendwie anders sind. Ich versuch’ Jahr für Jahr das Sommergefühl zu bewahren, es ist mir leider noch niemals längerfristig gelungen.

Aber ganz sicher werde ich dieses Jahr einen neuen Versuch starten, und wenn es mir tatsächlich gelingen sollte, dann lass’ ich es euch wissen, wie ich es gemacht hab’. Vorausgesetzt, dass ich mir ganz merk, wie ich es angestellt hab, gell!

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Hommage ans Limoncellotiramisu